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Die Entstehung der Metapher der emotionalen Viren

Das Konzept der emotionalen Viren ist vor mehr als 15 Jahren im Rahmen der Begleitung von internationalen Fusionen und Change-Prozessen durch JPB Consulting in Paris entstanden. Gemeinsam mit meinem französischen Partner Pierre de Bartha und den Consultants von JPB suchte ich, Jochen Peter Breuer, nach Wegen, einfach und schnell an die emotionalen Blockaden innerhalb der Organisation heranzukommen und diese zu lösen, ohne dabei den Bezug zur Praxis und zur Inhaltsebene zu verlieren.

Mitte der neunziger Jahre arbeiteten wir mit den Vorständen einer deutschen und einer französischen Großbank an deren Kooperationsproblemen. Die Annäherung war schwierig, es stand viel auf dem Spiel. Keine Seite war bisher wirklich aus ihrer Deckung gekommen. Zwei Stunden vor Abschluss des Workshops baten wir die Teilnehmer, sich einen Kollegen der Partnerbank auszusuchen und sich dann in einer Untergruppe mit den Kollegen der eigenen Bank zusammenzutreffen.

Beide Gruppen waren in unterschiedlichen Räumen, und wurden angewiesen, gemeinsam über die individuellen Stärken und Schwächen der jeweiligen Kollegen der Partnerbank zu diskutieren. Jeder Teilnehmer sollte das jeweilige Feed-back für seinen Partner aufschreiben, und dann sozusagen als Botschafter seiner Gruppe dem Partner ein offenes und ehrliches Feed-back geben.
In der französischen Gruppe brauste ein Vorstand auf:

„Das geht doch nicht! Wir können doch nicht einfach hier über die anderen herziehen! Das ist doch peinlich.“

Ich antwortete:

„Erstens geht es nicht darum, nur über den anderen herzuziehen, sondern auch seine positiven Eigenschaften aufzuführen. Und zweitens verlangen wir von Ihnen nichts anderes als das, was Sie gleich im Flugzeug von ganz alleine machen werden, nämlich Ihre individuellen Wahrnehmungen und Gefühle zu einzelnen Personen untereinander auszutauschen. Sollten da negative Gefühle sein, so werden diese sich wie Viren bei den anderen ebenfalls verbreiten. Daher halten wir es für besser und professioneller, wenn diese Gefühle und Wahrnehmungen in dem geschützten Rahmen dieses Workshops auch dem anderen mitgeteilt werden, denn nur so können Sie eine offene und konstruktive Atmosphäre für die Zusammenarbeit schaffen.“

Diese letzte Übung war der Durchbruch: Endlich kamen auch Tabus auf den Tisch. Wir mussten den Workshop verlängern, die Teilnehmer verzichteten sogar auf einen Teil ihres Wochenendes. Während der Nachbesprechung dieses Workshops gingen wir Moderatoren immer wieder die Szene durch, die zum Durchbruch geführt hatte. Die Metapher der Viren hat es zum einen ermöglicht, die hochkarätigen und zum Teil skeptischen Teilnehmer aus der Reserve zu locken, und zum anderen, an die verborgenen Emotionen in dieser Kooperation heranzukommen. Das Konzept der „emotionalen Viren“ war geboren.